P. Manfred Hösl SJ, Pfarrer, Sankt Michael Göttingen

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Wann und wo fühlten Sie sich berufen, Priester zu werden?

Ich habe in Regensburg Theologie, Soziologie und Pädagogik studiert. Priester- oder Ordensberuf kam für mich v.a. wegen des Zölibates nicht in Frage. Die Jesuiten kannte ich nur über Literatur. Mich beeindruckte aber die Weltzugewandtheit des Ordens. Und ich schätzte viele Persönlichkeiten: Karl Rahner, Oswald von Nell-Breuning u.v.a.m.

In der Mitte meines Studiums Mitte der 80er Jahre geriet ich in eine Sinnkrise, verlor meinen Glauben. Auf der Suche nach meinem Glauben begegnete ich wieder den Jesuiten, diesmal im Kontext von Exerzitien, geistliches Leben, Kontemplation.

Was hat Sie zur Gesellschaft Jesu gebracht?

Zunächst Literatur. Dann nahm ich an der Uni Regensburg Kontakt mit P. Richard Loftus SJ auf, der dort am Lehrstuhl für Zoologie forschte. Er stellte den Kontakt zu P. Merz SJ her, bei dem ich dann in geistliche Begleitung war. Er hat mich dann auf meinem Weg in den Orden von ca. 1988 bis 1991 beraten. Nach mehreren Gesprächen mit dem damaligen Novizenmeister P. Hans Abart SJ und den normalen Aufnahmegesprächen bin ich dann 1991 angenommen worden und in den Orden eingetreten.

Hat eine bestimmte Aufgabe Sie angezogen, als Sie in das Noviziat eingetreten sind? Gab es ein Experiment, das eine besondere Wirkung auf Sie hatte?

Meine große Frage war: Gibt es überhaupt Gott? Stimmt die Bibel? Ist Jesus wirklich von den Toten erstanden? Alle anderen Fragen wie z.B. nach der Lebensform oder bestimmte Berufe kamen mir nebensächlich vor. Wenn es Gott nicht gibt, dann ist alles egal und nichts macht Sinn. Wenn es ihn gibt, ist der Beruf aber auch nicht mehr so wichtig, weil man Gott auf vielerlei Weise dienen kann.

Mich hat immer die Frage nach dem Tod und dem Leben danach beschäftigt. Im Noviziat habe ich mit Sterbenden gearbeitet (Onkologiestation, Hospizarbeit). Das hat mich sehr geprägt. Auch heute finde ich die Arbeit mit Trauernden, Sterbenden und deren Probleme wichtig und interessant.

Ich werde immer, egal wo ich arbeiten werde, von Jesus Christus, besonders vom Tod und der Auferstehung Jesu Christi, sprechen. Das ist das Wichtigste, nicht der Ort oder die Aufgabe.

Wie sind Sie zur Gemeinde Sankt Michael gekommen?

Der Provinzial machte mir vor dem Ende meiner Ausbildung in Dublin vier Angebote, wo er sich mich nach Dublin gut vorstellen könnte Göttingen war aber nicht dabei. Dann überrumpelte er mich, weil er dringend jemanden als Pfarrer in Göttingen brauchte. Ich stimmte zu und bin sehr gerne nach Göttingen und Sankt Michael gekommen. Die Arbeit hier ist sehr vielseitig und herausfordernd.

Was bedeutet Ihnen die Jesuitenidentität?

Mir gefällt die Spiritualität (sog. MagisMehr, d.h. die Dynamik des Ordens). Mir gefällt die intellektuelle Schlagseite des Ordens. Ich freue mich mein Leben in einer apostolischen Gemeinschaft leben zu dürfen, in der sich die einzelnen nicht fragen: Was will ich? Sondern: Was wollen wir? Ich finde unser Organisationssystem gut und effizient. Die Stimme eines jeden wird gehört, aber dann entscheidet der Provinzial es gibt keine endlosen Diskussionen! Ich finde es gut, dass wir nach 6-10 Jahren immer eine neue Aufgabe bekommen. So kann und muss man immer Neues ausprobieren. Man kommt viel in der Welt herum. In meiner gut 20 jährigen Zeit im Orden war ich bisher an 8 Orten und drei Ländern. Das weitet den Blick. Ich bin gerne Jesuit und verdanke dem Orden sehr vieles. Die Lebensweise in Kommunitäten gefällt mir gut und ich bin gerne Priester.

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